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MUSIKUNTERRICHT

Seit einiger Zeit arbeite ich mit und am "Singen ist Klasse!"-Konzept, das ich durch Dr. Ralf Schnitzer kennen und schätzen gelernt habe. Gemeinsam mit ihm sind im Zuge dessen zwei chorpraktische Bände im Schott-Verlag erschienen. Doch was sind Singeklassen eigentlich?

Stimmbildung als erster und zentraler Arbeitsschwerpunkt verrät es bereits: In Singklassen wird gesungen, jede Stunde.
 
Die Singeliteratur baut auf der konsequenten Stimmbildung auf. Diese unterscheidet sich allerdings vom üblichen Schulgesang wesentlich: Nicht das gängige Liederbuchrepertoire steht im Vordergrund, vielmehr werden von Anfang an Kanons und bald auch kleine mehrstimmige Stücke und Arrangements bis hin zu ersten a-cappella-Versuchen gemeinsam erarbeitet, die das gemeinsame Musizieren kultivieren und die eigene Stimme ebenso wie das gemeinsame Hören herausfordern.
 
Mit solcher Literaturwahl ist sogleich ein weiteres Anliegen des Singklassen-Unterrichts erfasst, welches die Musikpädagogik gerne mit dem Begriff der Kulturerschließung bezeichnet. Mit den Stücken, ihren typischen Motiven und Formeln, Melismen und Klauseln, Melodiebögen und Rhythmuspatterns werden stiltypische Elemente ausprobiert, die unmittelbar auf ebenso stiltypische Topoi der Musikgeschichte verweisen. Was in Klasse 5 als barocker Figuralkanon erstmals erarbeitet wird, schafft Verständnis und Umsetzungsfähigkeit für spätere Anforderungen wie etwa einer Matthäus-Passion; was im Unterricht zunächst in Form von improvisierten Klangspielen erscheint, führt hin bis etwa zu Ligetis lux aeterna.
 
Ein weiteres Anliegen ist die Theorie der Musik. Mit der stimmbildnerischen Arbeit verzahnt werden einfache Leiter-, Dreiklangs- und Kadenzformeln als tonales Repertoire eingeübt und trainiert. Sind die einzelnen Patterns erst gelernt, also im Gedächtnis fest verankert, so baut sich mehr und mehr eine tonale Vorstellung im Kopf auf. Sie ist Voraussetzung für alle musikalische Kulturtechniken: das Belegen von Musik mit konkreten Begriffen (bis hin zur musikalischen Analyse) sowie das Lesen und Schreiben von Noten (bis hin zum vierstimmigen Satz und zum eigenen Komponieren).
 
So lässt sich die Arbeit in den Singklassen eigentlich am treffendsten mit dem Erlernen einer Sprache vergleichen, beginnend beim Hören und Nachsprechen, über das Lernen von Vokabeln und Idiomen, bis hin zum Erfassen grammatikalischer Strukturen und schließlich zur Rezeption von Literatur. Jedoch ist dabei der alles eröffnende und stetig zentrale Aspekt das eigene Tun, das Singen, das eigene stimmliche Vorankommen. Singklasse-Arbeit ist somit für den Einzelnen stets gepaart mit hoher Identifikation, Selbsterfahrung und Motivation.
 
Und nicht zuletzt: Hat die Schülerin oder der Schüler seine Stimme und ihre ungeahnten Möglichkeiten erst entdeckt, so hört er mit völlig anderen Ohren, was etwa die Koloratursopranistin in der Mozart-Oper leistet oder mit welcher anrührenden Eindringlichkeit die Altistin ihr "O Mensch" in Mahlers dritter Sinfonie in den Raum sendet. Das eigene Singen erschließt die Möglichkeit, sich auf diese Sprache einzulassen – und sie lebenslang selber sprechen zu wollen.

Quelle: www.singenistklasse.de

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